Soziologie in Österreich

 

 

 

 

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Josef Lob

geb. Wien, Kronland Österreich unter der Enns, Österreich-Ungarn (heute Bundesland Wien, Österreich), am 19. September 1902

gest. Wien, Bundesland Wien, Österreich, im Juli 1992

Jurist

Angehöriger des engeren sogenannten Spannkreises, Gründungs-, Vorstands- und Ehrenmitglied der »Gesellschaft für Ganzheitsforschung«

Josef Lob war der Sohn eines römisch-katholischen Privatbeamten, der zwei Jahre nach der Geburt seines Sohns verstarb. Er wuchs danach bei seiner Großmutter in Tattenitz (Böhmen; heute Tatenice, Tschechien) auf, wo er auch die Volksschule besuchte. 1913 kam er wieder zu seiner Mutter, die einen Blumenladen in Wien betrieb. In Wien besuchte er das Gymnasium, wo er 1921 die Reifeprüfung ablegte. Bereits als Gymnasiast erhielt er anlässlich einer antisemitischen Kundgebung 1919 eine Verwaltungsstrafe. Nach der Reifeprüfung abslovierte er den Abiturientenkurs an der Hochschule für Welthandel (heute Wirtschaftsuniversität) Wien für Buchhaltung und kaufmännische Angestellte. Gleichzeitig arbeitete Lob vom April bis August 1921 als Advokatursbeamter, vom September 1921 bis Juli 1922 als Beamter des »Zentralverbands der deutschen Güterbeamten und Angestellten« in Teplice-Šanov (Tschechoslowakei; heute: Teplice, Tschechien) und vom August 1922 bis März 1924 als Erzieher. Währenddessen studierte er Rechtswissenschaften an der Universität Wien, wo er 1927 zum Dr. jur. promoviert wurde. Im Oktober 1924 war er Mitbegründer der sudetendeutschen Hochschulgilde »Thule« (Wien), deren erster Gildenmeister er wurde. Vom April 1927 bis August 1929 war er Rechtsanwaltsanwärter und vom August 1929 bis Juni 1930 Richteramtsanwärter. Am 24. Juni 1930 legte Lob die Richteramtsprüfung ab und arbeitete bis 1939 als Richter, weshalb er sich von allen direkten politischen Aktivitäten zurückzog. Josef Lob, der damals in Zistersdorf (Niederösterreich) wohnte, war Angehöriger des engeren sogenannten Spannkreises, an dessen Zeitschrift »Ständisches Leben« (Berlin–Wien) er 1931 bis 1934 mitarbeitete. Auf Empfehlung von Othmar Spann (1878–1950) wollte sich Lob auch habilitieren und hatte 1938 seine Habilitationsschrift weitgehend fertig gestellt. Nach dem sogenannten Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich ließ er diesen Plan fallen, blieb aber weiterhin als Richter tätig.

1939 wurde Josef Lob in die Justizverwaltung versetzt, aber schon 1940 meldete er sich als Freiwilliger zur Kriegsmarine der Deutschen Wehrmacht, wo er zuletzt als Kompaniekommandant in einer Marine-Lehrabteilung tätig war. Im Frühjahr 1944 wurde er an die Front in Italien abkommandiert, wo er bei Kriegsende in Kriegsgefangenschaft geriet.

Im Oktober 1945 aus der Kriegsgefangenschaft entlassen, arbeitete Josef Lob zunächst als Bauarbeiter in Salzburg. 1949 wurde er wieder als Richter eingesetzt und Senatsvorsitzender am Landesgericht für Zivilrechtssachen in Wien. 1967 ging Josef Lob als Oberlandesgerichtsrat in Pension und erhielt den Titel eines Hofrats. Auch nach dem Tod von Othmar Spann gehörte er zu den engen Mitgliedern der Spann-Anhänger in der »Gesellschaft für Ganzheitsforschung«, deren Ehrenmitglied er 1977 wurde; von 1957 bis 1969 leitete er bei der Wiener Gruppe dieses Vereins das Philosophische Seminar.

 

Selbstständige Publikationen

Eigentum in ganzheitlicher Sicht. Vortrag auf der Jahreshauptversammlung der »Gesellschaft für Ganzheitsforschung« in Filzmoos am 7. September 1958. Wien: Jacobi [1958], 16 S.

Naturrecht und ganzheitliche Philosophie. Wien: Verlag Notring der Wissenschaftlichen Verbände Österreichs 1962, 137 S.

● Europa und die deutsche Nation. Gesellschafts- und Außenpolitik am Rande des Staatsverfalls. Vorträge von Walter Becher und Josef Lob. [München]: Witiko-Bund 1971 (= Beiträge des Witikobundes zu Fragen der Zeit. 24.), 32 S. Enthält Walter Becher: Nation ohne Alternative? – Josef Lob: Europa und die deutsche Nation.

 

Herausgeber

Festschrift Walter Heinrich. Ein Beitrag zur Ganzheitsforschung. (Betreut von Hans Riehl, Josef Lob und Ulrich Schöndorfer.) Graz: Akademische Druck- und Verlagsanstalt 1963, VIII, 431 S.

Copyright © 2013 Reinhard Müller, Graz
Stand: Oktober 2012