Soziologie in Österreich

 

 

 

 

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Gesellschaft für Ganzheitsforschung

gegründet 1956

Bereits ein Jahr nach dem Tod von Othmar Spann (1878–1950) initiierte sein Schüler und Freund Walter Heinrich (1902–1984) sogenannte Herbsttreffen der Anhänger und Schüler Spanns in Filzmoos (Salzburg), abgehalten jeweils im September der Jahre 1951 bis 1955. Innerhalb dieses Personenkreises, der großteils identisch war mit dem ehemaligen sogenannten Spannkreis, wurde auch die Idee eines Vereins diskutiert. Neuerlich ergriff Walter Heinrich die Initiative, und am 18. Juli 1956 fand in Wien die konstituierende Versammlung der »Gesellschaft für Ganzheitsforschung« statt. Der Verein nahm allerdings erst mit 1. Januar 1957 seine Tätigkeit auf. Den offiziellen Eröffnungsvortrag hielt Hans Sedlmayr (1896–1984) am 21. März 1957 im Auditorium maximum der Hochschule für Welthandel (seit 1975: Wirtschaftsuniversität) Wien. Damit wurde auch die durch den Arbeitsplatz von Walter Heinrich ohnedies vorgegebene Nähe des Vereins zu dieser Hochschule nochmals akzentuiert. Auch das Büro des Vereins, das sich zunächst in der Helferstorferstraße 5/7, Wien 1., befand, wurde im Juli 1958 an die Hochschule für Welthandel, Franz Kleingasse 1, Wien 1., verlegt. Leiter des Büros war zunächst Theodor Blahut (1905–1992), seit Mai 1958 Josef Lob (1902–1992), später Hubert Verhonig (1940–2004), zuletzt J. Hanns Pichler (geb. 1936), seit 1981 unterstützt von den Institutssekretärinnen Maria Braun beziehungsweise seit 1988 Mag. Maria Stückler.

Ziel des Vereins war zunächst, das philosophische, wissenschaftliche und gesellschaftspolitische Vermächtnis Othmar Spanns zu wahren und zu verbreiten, später zählte auch dessen Weiterentwicklung zu den zentralen Anliegen des Vereins. Praktisch bedeutete dies einerseits die Auswertung des Nachlasses von Othmar Spann und die Herausgabe der 1963 bis 1979 erschienenen sogenannten Othmar Spann-Gesamtausgabe (eigentlich nur eine umfangreiche Werkauswahl) sowie die Organisation der jährlichen Vereinstreffen.

Gerade in der Anfangsphase kamen viele Mitglieder des Vereins aus dem ehemaligen sogenannten Spannkreis, sodass man die »Gesellschaft für Ganzheitsforschung« als dessen Nachfolger betrachten kann. Offizielle Gründungsmitglieder waren der damalige Berghauptmann Rolf Amtmann (1908–1998) in Klagenfurt am Wörthersee / Celovec ob Vrbskem jezeru, der Universitätsdozent im Ruhestand Jakob Baxa (1895–1979) in Maria Enzersdorf (Niederösterreich), der Gesandtschaftsrat außer Dienst Theodor Blahut (1905–1992) in Arnoldstein / Podklošter (Kärnten), der Diplom-Kaufmann Arno Dobrucki (1912–1982) in Wien, der Gymnasialprofessor Wilhelm Gerlich (1915–2001) in Krumpendorf am Wörther See / Kriva Vrba (Kärnten), der Hochschulprofessor Walter Heinrich (1902–1984) in Wien, der Hochschulassistent Karl Ladislaus Herczeg (1924–1960) in Wien beziehungsweise damals in Paris, der Hochschuldozent Erich Hruschka (1911–1992) in Wien beziehungsweise damals in den USA, der Industriekaufmann Ernst Kittel (1906–1998) in Eisenstadt / Kismarton / Željezno, der Arzt Albert Kowald (1904–1970) in Wien, der Geschäftsführer und Chemiker Hermann Kügler (1900–1993) in Wien, der Oberlandesgerichtsrat Josef Lob (1902–1992) in Wien, der Angestellte und Geschäftsführer der »Volkswirtschaftlichen Gesellschaft Salzburg« Dominik Mach (1908–1988) in Salzburg, der Rechtsanwalt Paul Maschke (1912–1986) in Radstadt (Salzburg), der Diplom-Kaufmann Norbert Mayr (geb. 1925) in Salzburg, der Verlagsleiter Richard Moißl (1914–?) in Salzburg, der Bibliothekar Oskar Müllern (1905–1967) in Graz, der Professor, Musikwissenschaftler und Komponist Friedrich Neumann (1915–1998) in Salzburg, der Diplom-Ingenieur und Unternehmer Gerhard Nitsche (1910–1998) in Feldbach (Steiermark), der Diplom-Kaufmann und Geschäftsführer der »Volkswirtschaftlichen Gesellschaft Steiermark« Werner Olbrich (1916–2008) in Graz, der Wirtschaftstreuhänder Franz Pöschl (1925–1997) in Klagenfurt am Wörthersee / Celovec ob Vrbskem jezeru, der Redakteur Hermann Rassl (1906–1987) in Wien, der Hochschulassistent Johannes Rauchwarter in Wien, der Universitätsprofessor Hans Riehl (1891–1965) in Graz, der Wirtschaftsberater Friedrich Romig (geb. 1926) in Wien, der Diplom-Kaufmann Walter Sertl (geb. 1930) in Wien, der Jurist und Sohn Othmar Spanns Raphael Spann (1909–1983) in Wien sowie der Manager Erik Wintersberger (1907–2005) in Wien.

Dieses Kollegium wurde regelmäßig verändert und teils erweitert. Bereits in der Gründungsversammlung vom 18. Juli 1956 wurden Taras Borodajkewycz (1902–1984), Otto Höfler (1901–1987) und Josef Kolbinger (1924–1985) als neue Kollegiumsmitglieder gewählt. Am 7. September 1956 Hertha Machold (1912–1963), Hans Sedlmayr (1896–1984), Elsa Gräfin von Thurn-Valsassina (1886–1974), Ferdinand Aloys Westphalen (1899–1989), 1960 Ulrich Schöndorfer (1899–1984) und Paul Struzl (1914–1973), 1962 Ines Blahut (1910–1992), Erwin Fröhlich (geb. 1934), Helmut Heidinger (1922–2004), Franz Pastler (1928–2013), J. Hanns Pichler (geb. 1936), Georg Rabuse (1910–1976), Anton Schöpf (geb. 1930) und Karl von Winckler (1912–1988), 1964 Helmut Haschka (geb. 1925), Michael Hofmann (geb. 1932), Geiserich Eduard Tichy (geb. 1934), Hubert Verhonig (1940–2004) und Alois Wiesinger (1923–2008), 1965 Erich Führer (1900–1987), Rudolf Haase (geb. 1920), Ernest Kulhavy (geb. 1925), Fritz Ottel (1896–1968), Adam Reining und August Schmid-Schmidsfelden (1892–1978).

Kernorganisation der »Gesellschaft für Ganzheitsforschung« war natürlich der Vereinsvorstand, der in der ersten Kollegiumssitzung am 7. September 1956 erstmals gewählt wurde:

Vorstand: Walter Heinrich 1956–1971;

Stellvertretender Vorstand: Josef Lob 1956–1971;

Zweiter Stellvertretender Vorstand (seit 1960): Raphael Spann 1960–1971;

Kuratoren (gewählt durch das Kollegium): Theodor Blahut 1956–1958, Arno Dobrucki 1958–1965, Erwin Fröhlich 1965–1971, Walter Heinrich 1956–1971 (zugleich Vorstand des Kuratoriums), Burkhard Klebel 1958–?, J. Hanns Pichler 1962–1965, Hans Riehl 1956–1965, Friedrich Romig 1956–1971, Anton Schöpf (als Vertreter von J. Hanns Pichler) 1962–1963, Ulrich Schöndorfer 1965–1971, Raphael Spann 1956–1960, Hubert Verhonig 19651971, Erik Wintersberger 1956–1958;

Kassenprüfer: Hermann Kügler 1956–1971, Franz Pöschl 1956–1971.

Im September 1971 gab es eine grundlegende Änderung der Statuten der »Gesellschaft für Ganzheitsforschung«. Nunmehr wurde das Kollegium durch einen wissenschaftlichen Beirat ersetzt, der sieben bis zwölf Mitglieder umfassen und die Gesellschaft, das Kuratorium sowie die Arbeitsgemeinschaften wissenschaftlich beraten sollte. Außerdem wurden jetzt die Mitglieder des Kuratoriums nicht mehr durch das Kollegium, sondern durch die Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Jahresversammlung des Vereins gewählt.

Aufgrund der Statutenänderung vom September 1971 gab es seither folgende Zusammensetzung des Vorstands:

Vorstand: Walter Heinrich 1971–1973, J. Hanns Pichler seit 1973;

Erster Stellvertretender Vorstand: Hans Bach 1971–2001, Gerhard Fuchshuber seit 2001;

Zweiter Stellvertretender Vorstand: Raphael Spann 1971–1983, Geiserich Eduard Tichy seit 1984;

Kuratoren: Edith Buchinger seit 1995, Erwin Fröhlich seit 1971; Gerhard Fuchshuber 1971–1984, J. Hanns Pichler 1971–1973, Friedrich Romig 1971–1995, Geiserich Eduard Tichy 1971–1984, Hubert Verhonig 1971–2004;

Erster Rechnungsprüfer: Hermann Kügler 1971–1973, Heinrich Stremitzer 1973–1983; Georg Horcicka 1983–1994, Gerhard Buchinger seit 1994;

Zweiter Rechnungsprüfer: Franz Pöschl 1971–1994; Bernhard Kilga 1995–2001, Peter Hawranek seit 2001;

Wissenschaftlicher Beirat: Rolf Amtmann 1971–1998, Hans Bach 1984–1991 (zugleich Sprecher des Beirats 1984–1991), Helmut Bartussek seit 1986, Walter Becher 1971–2005, Georg Heinrich seit 1991, Walter Heinrich 1971–1984 (zugleich Sprecher des Beirats 1971–1984), Erich Hruschka 1971–1992, Josef Lob 1971–1992, Dominik Mach 1971–1988, Paul Maschke 1976–1986, Georg Rabuse 1973–1976, Arnulf Rieber seit 1991, Ulrich Schöndorfer 1971–1984, Paul Struzl 1971–1973, Geiserich Eduard Tichy seit 1991 (zugleich Sprecher des Beirats seit 1991), Matthias Vereno 1975–2009, Karl von Winckler 1971–1988, Alois Wiesinger 1984–2008.

Was die Zahl der Mitglieder der »Gesellschaft für Ganzheitsforschung« betrifft, so gab es 1963 106 ordentliche und 33 außerordentliche Mitglieder; vgl. [anonym]: Berichte auf der Jahreshauptversammlung der Gesellschaft für Ganzheitsforschung am 22. September 1963 in Filzmoos, in: Zeitschrift für Ganzheitsforschung. Neue Folge (Wien), 7. Jg. (1963), Nr. 4, S. 193. Im Jahr 1965 waren es 131 und 1966 insgesamt 141 Mitglieder; vgl. [anonym]: Bericht über das Herbsttreffen und die Jahreshauptversammlung der Gesellschaft für Ganzheitsforschung, in: Zeitschrift für Ganzheitsforschung. Neue Folge (Wien), 10. Jg. (1966), Nr. 4, S. 253. Seit den 1990er-Jahren gab es eine permanente Abnahme der Mitgliederzahlen.

Die »Gesellschaft für Ganzheitsforschung« verfügte seit Februar 1957 über ein Vereinsorgan, das »Mitteilungsblatt der Gesellschaft für Ganzheitsforschung« (Wien), das seit 1959 unter dem Titel »Zeitschrift für Ganzheitsforschung« (Wien) bis 2006 (mit je einem Ergänzungsheft 2007 und 2008) erschien. Die Zeitschrift hatte 1963 insgesamt 325 Abonnenten; vgl. [anonym]: Berichte auf der Jahreshauptversammlung der Gesellschaft für Ganzheitsforschung am 22. September 1963 in Filzmoos, in: Zeitschrift für Ganzheitsforschung. Neue Folge (Wien), 7. Jg. (1963), Nr. 4, S. 192. Zwischendurch gab es auch ein eigenes Rezensionsorgan, den »Schrifttumsspiegel« (Wien), das 1971 erstmals erschien, aber mit Ende 1990 sein Erscheinen einstellen musste.

Von Anbeginn bemühte man sich, die Aktivitäten der »Gesellschaft für Ganzheitsforschung« auf ganz Österreich auszudehnen. Dazu wurden 1956/57 sogenannte Arbeitskreise gegründet, die sich durchschnittlich einmal monatlich zu Arbeitsabenden trafen und in denen regelmäßig Vorträge und Kurse abgehalten wurden. Am stabilsten erwiesen sich die Arbeitskreise in Wien, während jene in Graz um 1966, jene in Klagenfurt am Wörthersee / Celovec ob Vrbskem jezeru und Salzburg um 1989 und jene in Linz an der Donau um 2000 ihre Aktivitäten einstellten.

Der organisatorische Zusammenhalt wurde durch die Jahrestreffen der »Gesellschaft für

Ganzheitsforschung« garantiert. Im Zuge dieser sogenannten Herbsttreffen, die seit 1974 »Freundestreffen« hießen, wurde auch, jeweils am letzten Tag, die Jahresversammlung des Vereins abgehalten. Veranstaltungsort war Filzmoos (Salzburg), ausgenommen 1970, wo das Treffen in Obertauern (Salzburg) stattfand, und die Jahre 1971, 1972 und 1973, wo Weißenbach am Attersee (heute zu Steinbach am Attersee, Oberösterreich) als Kongressort gewählt wurde. Beim 56. Freundestreffen wurde am 24. September 2006 beschlossen, die Jahrestreffen einzustellen, ebenso die »Zeitschrift für Ganzheitsforschung«. Dies bedeutete auch weitgehend das Ende der »Gesellschaft für Ganzheitsforschung«.

Quellen

Mitteilungsblatt der Gesellschaft für Ganzheitsforschung (Wien), 1.–2. Jg. (1957–1958).

Zeitschrift für Ganzheitsforschung (Wien), 3.–50. Jg. (1959–2006).

Siehe auch

Der Spannkreis.

Arbeitskreise Ξ Jahrestreffen

Copyright © 2013 Reinhard Müller, Graz
Stand: Oktober 2013