Soziologie in Österreich

 

 

 

 

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Hans Riehl

d. i. Hans Karl Anton Riehl; Pseudonyme: Hans Richter, Wigand von Wolfsberg

geb. Wiener Neustadt, Kronland Österreich unter der Enns, Österreich-Ungarn (heute Bundesland Niederösterreich, Österreich), am 7. Juni 1891

gest. Graz, Bundesland Steiermark, Österreich, am 5. Juni 1965

Privatdozent, Soziologe, Kunst- und Musikwissenschaftler, Philosoph und Dichter

Halbbruder von Walter Riehl (1881–1955)

Inhaber der ersten Venia Legendi für Soziologie der Kunst in Österreich

Angehöriger des inneren sogenannten Spannkreises, Dozent am Institut für Ständewesen, Gründungs-, Vorstands- und Ehrenmitglied der »Gesellschaft für Ganzheitsforschung«

Vater: Anton Vinzenz Leopold Riehl (Wiener Neustadt 1852 – Wiener Neustadt 1923), Advokat und Schriftsteller (Pseudonym: Dr. Rainetholn)

Mutter: Johanna Dorothea Riehl, geborene Herwirsch (Wiener Neustadt 1864 – Katzelsdorf, Niederösterreich 1943), Arzttochter

Geschwister: 1) Brünhilde Riehl (Wiener Neustadt, Niederösterreich 19. Juni 1893 – Wiener Neustadt, Niederösterreich 12. September 1896); 2) Friedrich Riehl-Herwirsch (Wiener Neustadt, Niederösterreich 24. April 1896 – 11. Mai 1968); 3) Isolde Irene Riehl (Wiener Neustadt, Niederösterreich 24. April 1901 – Katzelsdorf, Niederösterreich 17. September 1992), Konzertsängerin

Halbgeschwister aus der ersten Ehe von Anton Vinzenz Riehl mit Hermine Mayr (14. Mai 1858 – 16. Februar 1888): 1) Anton Siegfried Riehl (Wiener Neustadt, Niederösterreich 29. Juni 1879 – Wien 23. Juli 1970), Jurist und Ministerialbeamter; 2) Walter Riehl (Wiener Neustadt, Niederösterreich 8. November 1881 – Wien 6. September 1955), Rechtsanwalt und nationalsozialistischer Politiker; 3) Senta Riehl, verheiratete Platzer (Wiener Neustadt, Niederösterreich 12. März 1886 – 3. März 1970); 4) Elisabeth Riehl, verheiratete Hartmann, verheiratete Rothermann (Wiener Neustadt, Niederösterreich 2. Februar 1888 – 22. Januar 1964)

Ehe: am 3. Januar 1935 mit Hanna Apold (Bremen 5. Juni 1910 – Graz, Steiermark 20. März 2005), Unternehmertochter

Kinder: 1) Eckhart Riehl (geb. Graz, Steiermark 27. Juni 1949), Elektrotechniker, Inhaber einer Handelsagentur in Wien und Betreiber der Villa Riehl in Seebenstein (Niederösterreich), »Haus für Gesundheit und Lebenskultur«; 2) Hildegard Riehl, verheiratete Krug (geb. Graz, Steiermark 13. Dezember 1950), Übersetzerin und Pädagogin; 3) Gertrudis Riehl (d. i. Gertrud Riehl; geb. Graz, Steiermark 20. Februar 1953), diplomierte Organistin und Ordensfrau

Religion: römisch-katholisch

Hans Riehl besuchte 1887 bis 1901 die Volksschule und seit 1901 das Gymnasium in Wiener Neustadt (Niederösterreich), wo er 1910 die Reifeprüfung ablegte. Seit 1911 lebte er in Wien. Von 1911 bis 1916 studierte er an der Universität Wien: 1910 bis 1911 und 1914 bis 1915 Philosophie, Kunstgeschichte und Archäologie sowie 1911 bis 1916 Rechtswissenschaft. Am 31. Juli 1914 erhielt er das Absolutorium für Rechtswissenschaft und arbeitete eine Zeit lang in der Rechtsanwaltskanzlei seines Vaters; am 10. Mai 1915 legte er die judizielle Staatsprüfung ab. Unterbrochen wurde das Studium durch den Kriegsdienst beim Landsturm der österreichisch-ungarischen Armee in Wien, weil er wegen eines Sehfehlers nicht frontdiensttauglich war, vom November 1915 bis November 1918.

Im Sommer 1913 lernte Hans Riehl Othmar Spann (1878–1950) und Erika Spann-Rheinsch (1880–1967) kennen, mit denen ihn bald eine enge Freundschaft verband, insbesondere mit Othmar Spann, dessen engster Vertrauter er gemeinsam mit Karl Faigl (1880–1944) und Walter Heinrich (1902–1984) war. Riehl war auch Angehöriger des engsten sogenannten Spannkreises und Mitarbeiter der Zeitschrift »Ständisches Leben« (Berlin–Wien).

1919 bis 1923 studierte Hans Riehl Staatswissenschaften an der Universität Wien, wo er am 14. November 1923 bei Othmar Spann (1878–1950) aufgrund der Arbeit »Die Hordentheorie. Darstellung und Kritik« zum Dr. rer. pol. promoviert wurde. Anschließend setzte er 1923 bis 1924 sein Studium der Philosophie an der Universität Wien fort und wurde am 4. Juli 1928 aufgrund der Arbeit »Fichtes Schriften zur Gesellschaftsphilosophie« zum Dr. phil. (Philosophie / Kunstgeschichte und Archäologie) promoviert.

Von 1922 bis 1926 war Hans Riehl Lehrbeauftragter für Volkswirtschaftslehre an der I. Wiener Handelsakademie, gab diesen Posten jedoch aus gesundheitlichen Gründen auf. Seit 1922 engagierte er sich als Vorstandsmitglied beim »Bruckner-Bund in Wien« und arbeitete nebenbei als Bibliothekar in den Privatbibliotheken von Michael Hainisch (1858–1940), Julius Meinl (1869–1944), Camillo Castiglioni (1879–1957), Richard Reisch (1866–1938) sowie dem Inhaber der Ankerbrotfabrik Fritz Mendl (1864–1929).

Hans Riehl wurde am 29. Februar 1928 auf Initiative seines Freundes Wilhelm Andreae (1888–1962) an der Universität Graz (Steiermark) aufgrund der Arbeit »Fichtes Schriften zur Gesellschaftsphilosophie. II. Teil: Die drei Schriften über den Gelehrten« für Gesellschaftslehre habilitiert und war hier 1928 bis 1938 Privatdozent (Priv.-Doz.), wohnte aber weiterhin in Wien. Gleichzeitig arbeitete er als Bibliothekar beim Generaldirektor der »Österreichisch-Alpinen Montangesellschaft« Anton Apold (1877–1950), der 1935 sein Schwiegervater wurde. 1929 war Riehl Gründer und bis 1930 Leiter des kurzlebigen Instituts für steirische Wirtschaftsforschung an der Universität Graz.

Hans Riehl, seit Oktober 1927 Mitglied des »Steirischen Heimatschutzes«, war vom Oktober 1929 bis Juni 1930 Propagandaleiter bei der »Bundes-Führung der österreichischen Selbstschutz-Verbände« in Wien, wobei er auch den Decknamen »Hans Richter« benutzte. Zunächst bei der Gruppe um Walter Pfrimer (1881–1968) tätig, schloss er sich dann dem Flügel um Konstantin Kammerhofer (1899–1958) an und trat nach der Führungsübernahme durch Ernst Rüdiger (bis 1919: Fürst) Starhemberg (1899–1956) am 13. Juni 1930 aus der Heimwehr aus. Allerdings blieb er Leitungsmitglied des im März 1930 gegründeten, kurzlebigen »Akademischen Rings der Heimatwehren« zusammen mit Walter Heinrich (1902–1984), Raphael Spann (1909–1983) und Armin Dadieu (1901–1978).

Am 29. August 1929 wurde Hans Riehl Korrespondent des Bundesdenkmalamtes, musste aber 1937 aus politischen Gründen ausscheiden. In diesen Jahren unternahm er zahlreiche kunsthistorische Studienreisen nach Italien, Griechenland, Belgien, Frankreich, Deutschland und in die Türkei. Am 4. Oktober 1930 wurde Riehl Honorardozent (Hon.-Doz.) für Volkswirtschaftslehre an der Montanistischen Hochschule (heute Montanuniversität) Leoben (Steiermark), wo er allerdings nur 1933 einen Lehrauftrag erhielt und 1935 seine Dozentur aus politischen Gründen verlor. 1935 wurde Riehls Ansuchen um eine Venia Legendi für Österreichische bildende Kunst an der Technischen Hochschule (heute Technische Universität) Graz abgelehnt.

Im Januar 1935 heiratete Hans Riehl die Generaldirektortochter Hanna Apold (1910–2005) in Rodaun (heute zu Wien). Aus der Ehe stammen drei Kinder: Eckhart Riehl (geb. 1949), Hildegard Riehl, verheiratete Krug (geb. 1950) und Gertrudis Riehl.

Unmittelbar nach der Hochzeit übersiedelte Hans Riehl im Januar 1935 nach Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen), wo er sich vergeblich um die Professur für Kunstgeschichte an der Kunstakademie Düsseldorf bemühte, und vom Januar bis März 1935 Dozent am Institut für Ständewesen in Düsseldorf war.

Im März 1935 ließ sich Hans Riehl endgültig in Graz nieder, wo er seine Lehrtätigkeit an der Universität Graz fortsetzte, seit 22. November 1937 als titular außerordentlicher Universitätsprofessors (tit. a.o. Univ.-Prof.). 1938 wurde Riehl als Honorardozent für eine neu zu errichtende Honorar-Dozentur für Kulturgeschichte des österreichischen Berg- und Hüttenwesens an der Montanistischen Hochschule (heute Montanuniversität) Leoben (Steiermark) vorgeschlagen, wurde dann jedoch abgelehnt. Am 23. April 1938 erfolgte seine Suspendierung an der Universität Graz. Kurz darauf gab es bei ihm auch eine Hausdurchsuchung, bei der mehrere Manuskripte beschlagnahmt wurden. Im Mai 1938 trat Riehl in die »Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei« (NSDAP) ein, doch sein danach erfolgtes Ansuchen um die Venia Legendi für Kunstwissenschaft mit besonderer Berücksichtigung der Ästhetik an der Universität Graz wurde ebenfalls abgelehnt.

Vom April 1938 bis Juni 1939 war Hans Riehl ohne Einkommen und betätigte sich unter anderem als freier Mitarbeiter der »Neuen Freien Presse« (Wien) und als Lehrer am Konservatorium (heute Johann-Joseph-Fux-Konservatorium) Graz. Am 3. März 1939 erlangte er die Lehrbefugnis für Gesellschaftslehre wieder und wurde mit 3. November 1939 zum außerplanmäßigen Professor (apl. Prof.) der Gesellschaftslehre an der Universität Graz ernannt. Da er keine Lehrveranstaltungen abhalten konnte, weil die Gesellschaftslehre mittlerweile an die Philosophische Fakultät verlegt worden war, beantragte er am 14. November 1939 eine Überführung seiner Venia Legendi an die Philosophische Fakultät, was jedoch abgelehnt wurde. Hauptberuflich war Hans Riehl seit 1. Juni 1939 Leiter der Bildergalerie und Skulpturensammlung am Landesmuseum Joanneum in Graz und wurde am 8. November 1939 mit der neu geschaffenen Institution des Beauftragten für Kunsterziehung im Rahmen des Landesmuseums Joanneum beauftragt. Nach der Neoordnung des Landesmuseums Joanneum übernahm Hans Riehl im Frühjahr 1941 die Leitung der von ihm initiierten Neuen Galerie des Landesmuseums Joanneum in Graz, die bis zur Pensionierung 1956 innehatte. Außerdem war er seit Mai 1941 Honorardozent (Hon.-Doz.) für Kunstgeschichte an der Technischen Hochschule (heute Technische Universität) Graz und seit 1942 auch Leiter des dortigen Kunstgeschichtlichen Instituts. Zusätzlich wurde Riehl im Mai 1941 Gaubeauftragter für Kunsterziehung und Museumspfleger für den Reichsgau Steiermark. Als Leiter der Neuen Galerie gründete er am 6. Mai 1942 eine bis zu seinem Tod bestehende Vortragsreihe (»Mittwochreihe«). 1946 gründete Hans Riehl den Verein »Gesellschaft der Freunde der Neuen Galerie«, deren Vorstand er bis zu seiner Pensionierung als Museumsleiter am 21. Dezember 1956 blieb.

Im Wintersemester 1945/46 konnte Hans Riehl noch eine Lehrveranstaltung über Gesellschaftslehre an der Universität Graz halten, wurde aber 1946 vom Dienst an der Universität Graz und der Technischen Hochschule (heute Technische Universität) Graz suspendiert. Mit 26. August 1948 wurde Riehl als nationalsozialistisch Minderbelasteter mit einer nunmehr eingeschränkten Venia Legendi für Soziologie der Kunst an der Universität Graz zugelassen, und zwar als Privatdozent (Priv.-Doz.), seit 30. Oktober 1962 als titular ordentlicher Universitätsprofessor (tit. o. Univ.-Prof.), wobei er allerdings nur zeitweise Lehrveranstaltungen abhielt. Regelmäßig hielt er seit 1948 Lehrveranstaltungen an der Technischen Hochschule (heute Technische Universität) Graz ab. Außerdem war er seit 1957 Leiter der kunstwissenschaftlichen Abteilung der Salzburger Volkshochschule.

Hans Riehl war auch nach dem Tod von Othmar Spann eine zentrale Persönlichkeit des sogenannten Spannkreises, der sich nunmehr in der »Gesellschaft für Ganzheitsforschung« organisierte, deren Ehrenmitglied Riehl 1961 wurde. Er arbeitete auch an der Schriftenreihe »Stifterbibliothek« und an der sogenannten Gesamtausgabe der Werke Othmar Spanns mit. Am 15. November 1957 wurde Riehl mit dem Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst ausgezeichnet.

1967 wurde in Graz ihm zu Ehren eine Straße »Hans-Riehl-Gasse« benannt, nahe von Hans Riehls langjährigem Wohnsitz Lindenhofweg 7.

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Copyright © 2013 Reinhard Müller, Graz
Stand: Oktober 2013