Soziologie in Österreich

 

 

 

 

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Wilhelm Andreae

d. i. Wilhelm Friedrich Otto Andreae

geb. Magdeburg, Provinz Sachsen, Königreich Preußen, Deutsches Kaiserreich (heute Land Sachsen-Anhalt, Deutschland), am 8. April 1888

gest. Gießen, Land Hessen, Deutschland, am 25. Mai 1962

Universitätsprofessor, Nationalökonom und Finanzwissenschaftler

Angehöriger des inneren sogenannten Spannkreises, Dozent am Institut für Ständewesen, Ehrenmitglied der »Gesellschaft für Ganzheitsforschung«

Vater: Hans Andreae (?– Magdeburg 1901), Kaufmann, Reeder und Inhaber der »Elbe-Schiffahrt Hans Andreae«

Mutter: Martha Andreae, geborene Müller (?–1941), Hausfrau

Geschwister: 1) Friedrich Andreae (Magdeburg 12. Oktober 1879 – Breslau [heute Wrocław] 17. Januar 1939), Historiker, Universitätsprofessor, 1935 von den Nationalsozialisten des Amts enthoben

Ehe: 1928 mit Aloysia Elisabeth Grosse-Lackmann (Wolbek [heute zu Münster] 8. Februar 1902 – Gießen 3. Februar 1992), Sanitätsratstochter, Schriftstellerin (Pseudonyme: Illa Andreae, Elisabeth Aloysia Lackmann)

Kinder: 1) Clemens August Andreae (Graz 5. März 1929 – bei Phu Toei ‹พุเตย›, Thailand 26. Mai 1991), Nationalökonom, Universitätsprofessor; 2) Bernard Andreae (geb. Graz 27. Juli 1930), Klassischer Archäologe, Universitätsprofessor; 3) Stefan Andreae (geb. Graz 22. August 1931), katholischer Theologe, Leiter des Pastoralpsychologischen Beratungsdienstes, Universitätsprofessor; 4) Gabriele Andreae (geb. Graz 1933), Germanistin, Universitätsprofessorin; 5) Clara Andreae, verheiratete Hannich (geb. Gießen 1936), Rechtsanwältin, Dame vom Orden des heiligen Gregorius; 6) Mechthild Andreae (Gießen 1938 –1971), Kunsthistorikerin; 7) Anthrin Andreae, verheiratete Model (geb. Gießen 1945), Juristin

Religion: evangelisch (Augsburger Bekenntnis), seit September 1939 römisch-katholisch

Wilhelm Andreae wuchs in Magdeburg auf. Hier besuchte er seit 1894 das Gymnasium des Klosters Unser Lieben Frauen, wo er 1906 die Reifeprüfung ablegte. 1906 bis 1908 absolvierte er eine kaufmännische Lehre in seiner Geburtsstadt.

1908/09 studierte Wilhelm Andreae Nationalökonomie an der Universität Berlin, und 1909 bis 1910 besuchte er die Handelshochschule Berlin, welche er am 3. März 1910 als Diplom-Kaufmann (Dipl.-Kfm.) abschloss.

1910 bis 1913 arbeitete Wilhelm Andreae als kaufmännischer Angestellter bei Exportfirmen in Berlin, Paris und London. 1913/14 studierte er Soziologie und Philosophie an der Universität Padua (Padova).

Bei Kriegsbeginn 1914 meldete sich Wilhelm Andreae als Freiwilliger und kam zu einem Ulanenregiment. Nach einer schweren Fußverletzung wurde er aber bereits 1915 aus dem Militärdienst entlassen. Seit dem im Dezember 1916 gesetzlich geschaffenen »Vaterländischen Hilfsdienst« war er für diesen bis Kriegsende tätig. Daneben studierte er 1915 bis 1917 Philosophie und Klassischen Philologie an der Universität Heidelberg (Baden-Württemberg). Hauptberuflich führte Andreae das väterliche Unternehmen weiter, das aber kriegsbedingt verloren ging. Deshalb musste er 1917 bis 1920 als Buchhalter in einer Rittergutsverwaltung arbeiten, setzte daneben aber privat seine wissenschaftlichen Studien fort. 1920/21 studierte Andreae Philosophie und Klassischen Philologie an der Universität Breslau (heute Wrocław), wo er aufgrund der Arbeit »Die philosophischen Probleme in den philosophischen Briefen. (Ein Beitrag zur Echtheitsfrage.)« am 23. Februar 1921 zum Dr. phil. promoviert wurde.

1921 wurde Wilhelm Andreae Mitglied des Aufsichtsrats der »Schlesischen Dampfer Co., Berliner Lloyd AG«, und im selben Jahr kaufte er eine Dachpappenfabrik in Glöwen (heute zu Plattenburg, Brandenburg), die er bis 1925 betrieb.

Nachdem der Versuch, sich an der Universität Berlin mit einer Übersetzung der Staatsschriften von Platon (um 428/427–um 348/347) zu habilitieren, gescheitert war, reichte Wilhelm Andreae dieselbe Arbeit an der Universität Wien ein, wo er bei Othmar Spann (1878–1950) aufgrund der kommentierten Übersetzung »Platons Staatsschriften« am 10. Juni 1925 für Gesellschaftslehre habilitiert wurde. Spätestens seither war Andreae Angehöriger des engsten sogenannten Spannkreises, hielt sich aber von direkten politischen Aktionen dieser Gruppe weitgehend fern, wiewohl er Mitarbeiter der Zeitschrift »Ständisches Leben« (Berlin–Wien) und 1928 bis 1934 gemeinsam mit Othmar Spann und anderen Herausgeber der Schriftenreihe »Deutsche Beiträge zur Wirtschafts- und Gesellschaftslehre« war.

1926 übersiedelte der Privatdozent (Priv.-Doz.) für Gesellschaftslehre Wilhelm Andreae nach Graz (Steiermark), wo er bis 1933 lebte. Seit 13. Oktober 1926 (wirksam mit 1. Januar 1927) war er außerordentlicher Universitätsprofessor (a.o. Univ.-Prof.), seit Ende April 1930 ordentlicher Universitätsprofessor (o. Univ.-Prof.) der Politischen Ökonomie an der Universität Graz. Mit Wirkung vom 31. Oktober 1933 wurde er durch das Unterrichtsministerium von seinem Lehramt enthoben, vorgeblich, weil er einen Ruf an die Universität Gießen angenommen habe.

1933 ließ sich Wilhelm Andreae in Gießen (Hessen) nieder, wo er – mit Unterbrechungen – bis zu seinem Tod lebte und wo er später das Haus Liebigstraße 36 erwarb. Im November 1933 wurde Andreae ordentlicher Universitätsprofessor (o. Univ.-Prof.) der Volkswirtschaftslehre und Finanzwissenschaft an der Universität Gießen, außerdem 1936 Mitglied des Wirtschaftswissenschaftlichen Seminars Gießen. Er war auch Dozent am 1933 gegründeten Institut für Ständewesen in Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen). Obwohl seit 1936 Mitglied der »Sturmabteilung« (SA) wurde er im Dezember 1942 als »politisch unzuverlässig« vom Lehrstuhl enthoben und zwangspensioniert, unter anderem, weil er sich weigerte, der »Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei« (NSDAP) beizutreten.

1943 arbeitete Wilhelm Andreae als Kaufmann und Vorstandsmitglied eines Handelshauses in Berlin. Angesichts der zunehmenden Bombenangriffe nahm er schließlich die Stelle eines Kammerdirektors des Fürsten Salm-Reifferscheidt-Dyck in Grevenbroich (Nordrhein-Westfalen) an, wo er bis 1944 tätig war. Nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944 auf Adolf Hitler (1889–1945) lebte Andreae bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs im Untergrund in einem Kloster, gesundheitlich schwer mitgenommen, ein Zustand, der bis Ende der 1940er Jahre anhielt.

1945 wurde Wilhelm Andreae zunächst ordentlicher Hochschulprofessor (o. HProf.), nach der Wiedererlangung des Status einer Universität seit 1957 ordentlicher Universitätsprofessor (o. Univ.-Prof.) der Volkswirtschaftslehre und Finanzwissenschaft an der Universität Gießen; er emeritierte am 30. September 1958. Außerdem war er bis 1960 Direktor des Instituts für Wirtschaftswissenschaften. Daneben war Andreae vorübergehend auch Lehrbeauftragter an der Universität Marburg (Hessen).

Wilhelm Andreae, der 1954 bis 1956 Mitarbeiter der Schriftenreihe »Stifterbibliothek« und Ehrenmitglied der »Gesellschaft für Ganzheitsforschung« war, erhielt im Februar 1959 das Große Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland.

Bibliografie

Copyright © 2013 Reinhard Müller, Graz
Stand: Oktober 2013