Soziologie in Österreich

 

 

 

 

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Raphael Spann

d. i. Raphael Genoveva Hyperion Spann; bis 1945 meist: Rafael Spann

geb. Kempten im Allgäu (heute Kempten (Allgäu)), Königreich Bayern, Deutsches Kaiserreich (heute Freistaat Bayern, Deutschland), am 10. Juni 1909

gest. Wien, Bundesland Wien, Österreich, am 21. Oktober 1983

Journalist und Manager

Angehöriger des inneren sogenannten Spannkreises, Gründungs- und Vorstandsmitglied der »Gesellschaft für Ganzheitsforschung«, Sohn von Othmar Spann

Raphael Spann, evangelisch, älterer Sohn des Soziologen, Nationalökonomen, Statistikers, Philosophen und Schriftstellers Othmar Spann (1878–1950) sowie dessen Ehefrau, der Schriftstellerin Erika Spann-Rheinsch (1880–1967), wohnte – mit Unterbrechungen – bei den Eltern seit Februar 1908 in Neu-Leskau bei Brünn (Mähren; heute Nový Lískovec, zu Brno, Tschechien) und seit Frühjahr 1909 direkt in Brünn (Brno), wo er auch die Schule besuchte. Nach einem Sommeraufenthalt in Schweden 1920 lebte er seit 1920 – mit Unterbrechungen – bei den Eltern in Wien, wo er das Schottengymnasium besuchte und 1928 die Reifeprüfung ablegte. 1928 bis 1933 studierte er Rechtswissenschaft und Volkswirtschaft an der Universität Wien und 1930 je ein Semester an den Universitäten in Grenoble und Palermo. 1933 wurde er an der Universität Wien zum Dr. jur. utr. promoviert.

Seit 1929 wat Raphael Spann in der österreichischen Heimwehrbewegung aktiv, war unter anderem zusammen mit Walter Heinrich (1902–1984), Hans Riehl (1891–1965) und Armin Dadieu (1901–1978) Leitungsmitglied des im März 1930 gegründeten »Akademischen Rings der Heimatwehren«, außerdem bis Januar 1934 Landesführer des Heimatschutzes. Als Angehöriger des engsten sogenannten Spannkreises leitete er gemeinsam mit Roman Hädelmayr (1907–1988) die als wissenschaftliche Einrichtung getarnte Organisation »Die Ständische Gesellschaft« zur Durchsetzung der politischen Ideen seines Vaters Othmar Spann. Von 1933 bis 1938 war Raphael Spann in der nationalsozialistischen Bewegung in Österreich und der Tschechoslowakei aktiv und wurde Mitglied der »Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei« (NSDAP). Im Oktober 1933 war er gemeinsam mit seinem Bruder Adalbert Spann und dem Schriftsteller Ernst von Salomon (1902–1972), der 1932/33 Vorlesungen bei bei Othmar Spann in Wien hörte, Teilnehmer an der Gründungsversammlung der »Sudetendeutschen Heimatfront« in Litoměřice (Tschechoslowakei; heute Tschechien), in deren Vorstand Othmar Spanns Assistent und Freund Walter Heinrich (1902–1984) gewählt wurde. 1934 gab Raphael Spann gemeinsam mit Adalbert Spann die nationalsozialistische Zeitschrift »Österreichischer Beobachter« (Wien) heraus. Seit 1934 wandte sich Raphael Spann jedoch zunehmend dem italienischen Faschismus zu und übersetzte auch Texte wie Reden von Benito Mussolini (1883–1945). Daneben war er Wiener Vertreter der belgisch-flämischen Zeitung »De Standaard« (Brüssel ‹Bruxelles›) und Mitarbeiter diverser Zeitschriften, unter anderem der Zeitschrift »Ständisches Leben« (Berlin–Wien).

Beruflich war Raphael Spann 1934 bis 1938 Konsulent des Kartells der österreichischen Glasfabriken »Glasunion« in Wien.

Am 17. April 1937 heiratete Raphael Spann in Wien die Malerin und Restauratorin Ingeborg (bis 1919: von) Cramer (1910–1996), mit der er zwei Töchter hatte: Astrid Maria Diana Beatrice Spann (geb. Wien 15. September 1938), verheiratete Gängl-Ehrenwerth und Angelika Maria Heliodora Majola Spann (geb. Wien 27. November 1943), verheiratete Köb.

In der Nacht vom 13. auf den 14. März 1938 wurde Raphael Spann von Nationalsozialisten verhaftet und neun Monate in Gestapo-Haft in Berlin beziehungsweise im Konzentrationslager Sachsenhausen (Brandenburg) gefangen gehalten. Nach seiner Freilassung arbeitete er bei der Firma »Koreska« in Wien, doch wurde er Mitte 1939 zur Deutschen Wehrmacht eingezogen. Hier machte er bis September 1940 den Krieg gegen Frankreich mit und wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Von 1940 bis 1943 war Raphael Spann Direktionssekretär und dann Einzelprokurist der Doppelfirma »M. R. Drott KG, Friedrich Krupp Vertriebsgesellschaft« und »Huber und Drott« in Wien. Von 1942 bis 1945 gehörte er mit Karl von Winckler (1912–1988) und Roman Hädelmayr (1907–1988) zum Kern der Widerstandsgruppe »W-ASTRA«, welche durch seine berufliche Funktion von Erik Wintersberger (1907–2005) gedeckt wurde. 1943 bis 1945 war Spann Stellvertretender Geschäftsführer in der Direktion der »Wiener Neustädter Flugzeugwerke Ges.m.b.H.« (WNF).

Raphael Spann, der seit etwa 1945 die Schreibweise seines Vornamens gemäß Taufschein und nicht mehr die bis dahin meist gebrauchte Schreibweise »Rafael« verwendete, war 1945 an der Gründung der In- und Exportfirma »Österreichischer Kontor Ges.m.b.H.« beteiligt.

Im Januar 1948 wurde Raphael Spann – wie übrigens im August desselben Jahres ein anderes Mitglied sogenannten Spannkreises, nämlich Aleksandr Petrovič Grekov (1875–1958) – von sowjetischen Behörden wegen angeblicher Spionage für Großbritannien in Wien verhaftet, in Baden (Niederösterreich) verhört und gefoltert. Obwohl er nicht geständig war, wurde er ins berüchtigte sogenannte Arbeitslager in Vorkuta ‹Воркута›, Sibirien, verschickt, von wo er erst im Juni 1955 nach Österreich zurückkehren konnte.

Nach dem Tod seines Vaters 1950 versuchte Raphael Spann dessen Erbe zunächst gemeinsam mit seiner Mutter Erika Spann-Rheinsch, nach deren Tod 1967 allein zu bewahren und zu verwalten. Er war Gründungsmitglied und zählte zu den führenden Persönlichkeiten der 1956 gegründeten »Gesellschaft für Ganzheitsforschung«, welche zur Wahrung und Weiterentwicklung von Othmar Spanns Lehren eingerichtet wurde.

Nach Wiederherstellung seiner durch die sowjetische Gefangenschaft schwer geschädigten Gesundheit wurde Raphael Spann 1957 wieder aktiv. Mittlerweile Mitglied der »Österreichischen Volkspartei« (ÖVP), wurde er Referent für Fragen der Kernenergie im Generalsekretariat der ÖVP. Außerdem gab er 1957 die kurzlebige Zeitschrift »Magyarok Világlapja. (Képes társadalmi folyóirat.) Ungarische Weltillustrierte. (Gesellschaft, Literatur, Kunst.) Társadalmi – irodalmi – művészeti – folyóirat« (Wien) heraus. 1957 bis 1958 arbeitete er an einem Forschungsauftrag des Bundesministeriums für Auswärtige Angelegenheiten zur Klärung der wirtschaftlichen Folgen der Besatzung mit. 1959 wurde Raphael Spann kommerzieller und administrativer Geschäftsführer der 1956 gegründeten »Österreichischen Studiengesellschaft für Atomenergie Ges.m.b.H.« in Wien und war seit 1960 am Aufbau des Österreichischen Reaktorzentrums Seibersdorf (heute Austrian Institute of Technology) in Seibersdorf (Niederösterreich) beteiligt; nach Vorwürfen gegenüber seiner Geschäftsführung wurde er 1973 entlassen. Daneben war er auch 1962 bis 1973 Geschäftsführer des gemeinnützigen Vereins »Österreichisches Atomforum«. Seit 1973 war Raphael Spann, dem 1967 das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich verliehen wurde, Konsulent mehrerer Finanzierungsgesellschaften in Wien. Spann, der Präsident des »Reitstalls Schloß Karnabrunn« war, starb an den Folgen eines Reitunfalls in Wien.

 

Herausgeber

Othmar Spann Gesamtausgabe. Herausgeber Walter Heinrich, Hans Riehl, [seit 1969 auch: Ulrich Schöndorfer,] Raphael Spann, Ferdinand A[loys] Westphalen. Graz: Akademische Druck- und Verlagsanstalt 1963–1979, 21 Bände:

Band 1: Othmar Spann: Frühe Schriften in Auswahl. 1. Auflage, eingerichtet von Norbert Hentschel und Erwin Sulek. Mit einem Nachwort von Jakob Baxa. 1974, X, 463 S.

Band 2: Othmar Spann: Die Haupttheorien der Volkswirtschaftslehre auf lehrgeschichtlicher Grundlage. 27., durchgesehene Auflage, eingerichtet von Oskar Müllern† und Adam Reining. In einem Nachwort weitergeführt von Walter Heinrich. 1967, XVII, 383 S.

Band 2: Othmar Spann: Die Haupttheorien der Volkswirtschaftslehre auf lehrgeschichtlicher Grundlage. 27., durchgesehene Auflage, eingerichtet von Oskar Müllern† und Adam Reining. In einem Nachwort weitergeführt von Walter Heinrich. 2. Auflage. 1969, XVII, 383 S.

Band 3: Othmar Spann: Fundament der Volkswirtschaftslehre. 5., durchgesehene Auflage, eingerichtet von Oskar Müllern†. Mit einem Nachwort von Walter Heinrich. 1967, XV, 470 S.

Band 4: Othmar Spann: Gesellschaftslehre. 4., durchgesehene Auflage, eingerichtet von Horst Kitzmantel. Mit einem Nachwort von Walter Heinrich. 1969, XXIII, 750 S.

Band 5: Othmar Spann: Der wahre Staat. Vorlesungen über Abbruch und Neubau der Gesellschaft. 5., durchgesehene Auflage, eingerichtet von Rudolf Reim. Mit einem Nachwort von Ferdinand A[loys] Westphalen. 1972, XIII, 386 S.

Band 6: Othmar Spann: Tote und Lebendige Wissenschaft. Kleines Lehrbuch der Volkswirtschaft in fünf Abhandlungen. 5., durchgesehene Auflage, eingerichtet von Oskar Müllern†. Mit einem Nachwort von Walter Heinrich. 1967, XIII, 442 S.

Band 7: Othmar Spann: Kämpfende Wissenschaft. 2., durchgesehene Auflage, eingerichtet von Wolfgang Steffanides. Mit einem Nachwort von Fritz Ottel†. 1969, XIII, 386 S.

Band 8: Othmar Spann: Kleine Schriften zur Wirtschafts- und Gesellschaftslehre. 1., durchgesehene Auflage, eingerichtet von Norbert Hentschel und Erwin Sulek. Mit einem Nachwort von Jakob Baxa. 1975, XIII, 416 S.

Band 9: Othmar Spann: Kategorienlehre. 3., durchgesehene Auflage, eingerichtet von Horst Kitzmantel. Mit einem Nachwort von Erich Heintel. 1969, XVI, 424 S.

Band 10: Othmar Spann: Der Schöpfungsgang des Geistes. 2., durchgesehene Auflage, eingerichtet von Norbert Hentschel. Mit einem Nachwort von Ulrich Schöndorfer. 1969, XIV, 542 S.

Band 11: Othmar Spann: Gesellschaftsphilosophie. 2., durchgesehene Auflage, eingerichtet von Oskar Müllern†. Mit einem Nachwort von Josef Lob. 1968, XII, 341 S.

Band 12: Othmar Spann: Geschichtsphilosophie. 2., durchgesehene Auflage, eingerichtet von Wolfgang Steffanides und Erwin Sulek. Mit einem Nachwort von Ulrich Schöndorfer. 1970, XV, 422 S.

Band 13: Othmar Spann: Philosophenspiegel. Die Hauptlehren der Philosophie begrifflich und geschichtlich dargestellt. 3., durchgesehene Auflage, eingerichtet von Norbert Hentschel. Mit einem Nachwort von Georgi Schischkoff. 1970, XVII, 448 S.

Band 14: Othmar Spann: Erkenne Dich selbst. Eine Geistesphilosophie als Lehre vom Menschen und seiner Weltstellung. 2., durchgesehene Auflage, eingerichtet von Oskar Müllern†. Mit einem Nachwort von Rolf Amtmann. 1968, XV, 454 S.

Band 15: Othmar Spann: Naturphilosophie. 2., durchgesehene Auflage, eingerichtet von Oskar Müllern. Mit einem Nachwort von Ulrich Schöndorfer. 1963, XII, 276 S.

Band 16: Othmar Spann: Religionsphilosophie auf geschichtlicher Grundlage. 2., durchgesehene Auflage, eingerichtet von Erwin Sulek. Mit einem Nachwort von Wilhelm Keilbach. 1970, XIV, 470 S.

Band 17: Othmar Spann: Ganzheitliche Logik. Eine Grundlegung. 2., durchgesehene Auflage, eingerichtet von Helmut Pech und Erwin Sulek. Mit einem Nachwort von Ulrich Schöndorfer. 1971, XIII, 330 S.

Band 18: Othmar Spann: Meister Eckeharts mystische Philosophie im Zusammenhang ihrer Lehrbegriffe dargestellt. 1., durchgesehene Auflage, eingerichtet von Veronika Brandstätter und Erwin Sulek. Mit einem Nachwort von Otto Karrer. 1974, X, 291 S. & Errata-Zettel.

Band 19: Othmar Spann: Kunstphilosophie. 1. Auflage, eingerichtet von Rolf Amtmann und Erwin Sulek. Mit einem Nachwort von Rolf Amtmann. 1973, XIV, 422 S.

Band 20: Othmar Spann: Gespräch über Unsterblichkeit. Betrachtungen zweier Krieger im Felde. Mit Nachworten von Reinhold Oswald Meßner und Hans Riehl. (Aus dem Nachlaß eingerichtet von Oskar Müllern.) 1965, IX, 212 S.

Band 21: Othmar Spann – Leben und Werk. Redaktionelle Leitung J[ohann] Hanns Pichler gemeinsam mit Hansjörg Klausinger. Ein Gedenkband aus Anlaß der 100. Wiederkehr des Geburtstages. Herausgebracht von Walter Heinrich unter Mitwirkung von: Rolf Amtmann, Walter Becher, Josef Lob, Dominik Mach, Paul Maschke, J[ohann] Hanns Pichler, Ulrich Schöndorfer. 1979, X, 410 S.

 

Herausgeber von Zeitschriften

Österreichischer Beobachter (Wien), Mittag-Ausgabe des Österreichischen Beobachters 67 Nummern (23. Januar bis 11. April 1934), Morgenausgabe 77 Nummern (24. Januar bis 11. April 1934).

● Magyarok Világlapja. (Képes társadalmi folyóirat.) Ungarische Weltillustrierte. (Gesellschaft, Literatur, Kunst.) Társadalmi – irodalmi – művészeti – folyóirat (Wien), 1. Jg. (1957), 3 Nummern.

Nachlass

Copyright © 2013 Reinhard Müller, Graz
Stand: Januar 2014