Soziologie in Österreich

 

 

 

 

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Adalbert Spann

d. i. Adalbert Friedrich Spann

geb. Frankfurt am Main, Provinz Hessen-Nassau, Königreich Preußen, Deutsches Kaiserreich (heute Land Hessen, Deutschland), am 25. August 1907

gest. bei Jel'nja Ельня, Oblast Smolensk ‹Смоленская область›, Sowjetunion (heute Russland), am 3. März 1942

Journalist und nationalsozialistischer Funktionär

Angehöriger des inneren sogenannten Spannkreises, Sohn von Othmar Spann

Adalbert Spann, evangelisch, älterer Sohn des Soziologen, Nationalökonomen, Statistikers, Philosophen und Schriftstellers Othmar Spann (1878–1950) sowie dessen Ehefrau, der Schriftstellerin Erika Spann-Rheinsch (1880–1967), wohnte zunächst bei den Eltern in Wien, dann von 1907 bis 1920 – mit Unterbrechungen – bei den Eltern: seit Februar 1908 in Neu-Leskau bei Brünn (Mähren; heute Nový Lískovec, zu Brno, Tschechien) und seit Frühjahr 1909 direkt in Brünn (Brno), wo er auch die Schule besuchte. Seit 1920 lebte er wieder in Wien, wo er das Schottengymnasium besuchte und 1926 die Reifeprüfung ablegte.

Seit 1926 studierte Adalbert Spann Volkswirtschaft und Rechtswissenschaften an den Universitäten Wien und München (Bayern) sowie 1930 internationales Privatrecht und Völkerrecht an den Universitäten Grenoble und Paris. Schließlich wurde er an der Universität Wien zum Dr. jur. promoviert.

Bereits während des Studiums war Adalbert Spann in der Privatwirtschaft tätig. So war er ein halbes Jahr lang Lehrling bei der Export- und Importgesellschaft »F. M. Wolff« in Hamburg, dann Arbeiter bei der Autofabrik »Rosengart« in Paris, Angestellter bei der »Girozentrale der österreichischen Genossenschaften A.G.« in Wien, Vermögensverwalter des Coburg-Kohary'schen Vermögens und bei Agrarverwaltungen in Ungarn und Österreich. Außerdem war er ein halbes Jahr als Offizier (Leutnant der Reserve) bei dem 1936 aufgestellten Artillerie-Regiment 27 in Augsburg (Bayern).

1928 bis 1929 war Adalbert Spann Mitglied des »Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbunds« (NSDStB) Wien. Dann näherte er sich der österreichischen Heimwehrbewegung an und wurde Mitglied des »Heimatschutzverbands Steiermark«, der 1933 in die »Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei« (NSDAP) übergeführt wurde. 1933 bis 1938 war er als Aktivist der nationalsozialistischen Bewegung in Österreich, der Tschechoslowakei und Deutschland tätig. Seit 1933 war er Mitglied der »Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei« (NSDAP), seit Oktober 1933 der »Schutzstaffel« (SS), wo er als SS-Oberscharführer fungierte. Im Oktober 1933 nahm Adalbert gemeinsam mit seinem Bruder Raphael Spann (1909–1983) und dem Schriftsteller Ernst von Salomon (1902–1972), der 1932/33 Vorlesungen bei Othmar Spann in Wien hörte, an der Gründungsversammlung der »Sudetendeutschen Heimatfront« in Litoměřice (Tschechoslowakei; heute Tschechien) teil, in deren Vorstand Othmar Spanns Assistent und Freund Walter Heinrich (1902–1984) gewählt wurde. Adalbert Spann, Angehöriger des engsten sogenannten Spannkreises, arbeitete an verschiedenen Zeitschriften mit, so auch als Übersetzer aus dem Englischen 1932 an der Zeitschrift »Ständisches Leben« (Berlin–Wien). 1934 gab er gemeinsam mit Raphael Spann die nationalsozialistische Zeitschrift »Österreichischer Beobachter« (Wien) heraus. Am 9. April 1934 wurde SS-Oberscharführer Adalbert Spann – ebenso wie ein anderes Mitglied des Spannkreises, nämlich der in seiner Wohnung anwesende Otto Brandl – verhaftet, weil er bei der – allerdings vereitelten – Flucht des Nationalsozialisten Josef Fitzthum (1896–1945) behilflich war. Er wurde am 13. April in Landesgericht eingeliefert, später ins Anhaltelager Wöllersdorf (heute Wöllersdorf-Steinabrückl, Niederösterreich), aber bald wieder entlassen; im November 1934 wurde das Verfahren gegen ihn durch die Staatsanwaltschaft eingestellt. Adalbert Spann wurde beschuldigt, den früheren SS-Standartenführer für Wien Josef Fitzthum (1896–1945) bei seiner Flucht nach Deutschland begünstigt zu haben.

Nach seiner Haftentlassung lebte Adalbert Spann vorübergehend in Frankreich, ließ sich dann aber in Deutschland nieder, wo er als Assessor beim Entschuldungsamt in München (Bayern) arbeitete. Nach dem sogenannten Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 übersiedelte er nach Berlin. Hier wurde er 1938 Mitglied der 1. SS-Panzer-Division Leibstandarte-SS Adolf Hitler im Range eines Untersturmführers in Berlin-Lichterfelde, aus der er aber bald (angeblich unehrenhaft) entlassen wurde. 1941 wurde Adalbert Spann im Rang eines Oberleutnants der Deutschen Wehrmacht an die Ostfront abkommandiert. Hier schloss er sich 1942 der Widerstandsgruppe »W-ASTRA« um seinen Bruder Raphael Spann, Karl von Winckler (1912–1988) und Roman Hädelmayr (1907–1988) an, welche durch seine berufliche Funktion von Erik Wintersberger (1907–2005) gedeckt wurde. Kurz bevor er im Auftrag der militärischen Opposition gegen den Nationalsozialismus nach Paris gehen sollte, fiel Adalbert Spann bei Jel'nja Ельня›.

 

Herausgeber von Zeitschriften

Österreichischer Beobachter (Wien), Mittag-Ausgabe des Österreichischen Beobachters: 67 Nummern (23. Januar bis 11. April 1934), Morgenausgabe: 77 Nummern (24. Januar bis 11. April 1934).

Nachlass

Copyright © 2013 Reinhard Müller, Graz
Stand: Oktober 2013