Soziologie in Österreich

 

 

 

 

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Johannes Sauter

auch: Johann Sauter; Pseudonym: Prof. Dr. Austriacus

geb. Kleeberg (heute zu Ruhstorf an der Rott), Königreich Bayern, Deutsches Kaiserreich (heute Freistaat Bayern, Deutschland), am 24. Mai 1891

gest. Winhöring, Freistaat Bayern, Deutschland, am 12. Dezember 1945

Universitätsdozent, katholischer Theologe, Philosoph und Soziologe

Angehöriger des engeren sogenannten Spannkreises

Vater: ? Sauter, Kunstgärtner

Mutter:

Geschwister:

Ehe: keine

Kinder: keine

Religion: römisch-katholisch

Johannes Sauter besuchte 1897 bis 1902 die Volksschule in Pocking (Bayern) und seit 1902 das Humanistische Gymnasium in Passau (Bayern), wo er 1911 die Reifeprüfung ablegte. 1911 bis 1916 studierte er Philosophie und Theologie am Lyzeum (heute Universität) Passau (Bayern). Am 29. Juni 1916 wurde Sauter zum Priester geweiht.

1916 bis 1923 war Johannes Sauter als Seelsorger in Grainet (Bayern), Künzing (Bayern) und Passau tätig. Er selbst behauptete später, eine berufswirtschaftliche Ausbildung in einer Bank und einer Elektrizitätsgenossenschaft gemacht zu haben. 1923 wurde er auf eigenes Ersuchen hin durch das Bistum Passau beurlaubt.

1923 bis 1925 studierte Johannes Sauter Staatswissenschaften an der Universität Wien, wo er aufgrund der Arbeit »Baader und Kant. Ein Beitrag zur Auseinandersetzung von transzendentalem Idealismus und Romantik mit besonderer Berücksichtigung des Problemes der Gotteserkenntnis« am 17. Juni 1925 bei Othmar Spann (1878–1950) zum Dr. rer. pol. promoviert wurde.

1924 bis 1926 studierte Johannes Sauter Philosophie an der Universität München (Bayern), wo er aufgrund der Arbeit »Die Sozialphilosophie Franz von Baaders« am 12. März 1926 zum Dr. phil. promoviert wurde.

Seit September 1925 war Johannes Sauter Dozent für Nationalökonomie an der Handelsakademie Wien (heute Vienna Business School), wurde aber 1927 wegen seiner nationalen Gesinnung entlassen. Am 27. August 1927 wurde Sauter aufgrund der Arbeit »Franz von Baaders Schriften zur Gesellschaftsphilosophie« an der Universität Wien bei Othmar Spann (1878–1950) für Gesellschaftslehre habilitiert. Seither war er hier als Privatdozent (Priv.-Doz.) tätig, wobei im März 1934 aufgrund der Arbeit »Die Entwicklung der abendländischen Staatsidee« seine Venia Legendi auf Allgemeine Staatslehre und Rechtsphilosophie erweitert wurde. Am 30. Juni 1933 wurde er (nicht beamteter) titular außerordentlicher Universitätsprofessor (tit. a.o. Univ.-Prof.).

Als sogenannter Vermittlungsbote Othmar Spanns war Johannes Sauter Angehöriger des engeren sogenannten Spannkreises, an dessen Zeitschrift »Ständisches Leben« (Berlin–Wien) er 1931 und an dessen Schriftenreihen »Die Herdflamme« und »Deutsche Beiträge zur Wirtschafts- und Gesellschaftslehre« er mitarbeitete. 1935 gründete er gemeinsam mit dem Philosophen Hans Eibl (1882–1958) den Verein »Deutsche Philosophische Gesellschaft in Wien« zur Verbreitung der Ideen von Othmar Spann.

Johannes Sauter stellte am 1. Mai 1938 ein Ansuchen um Mitgliedschaft in der »Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei« (NSDAP), welches im September 1941 abgelehnt wurde. Den Vorschlag, mit Sommersemester 1938 »freiwillig« auf seine Lehrtätigkeit an der Universität Wien zu verzichten, lehnte Sauter ab, worauf ihm die Venia Legendi entzogen wurde. Mit Bescheid vom 22. März 1939 wurde er mit Monatsende mit der Hälfte des Ruhegenusses in den Ruhestand versetzt. Sauter erhielt vom Berliner Reichsministerium zunächst eine monatliche Unterstützung in der Höhe von 180 Reichsmark. Seit Mai 1942 durfte er nicht mehr für den öffentlichen Dienst arbeiten, allerdings gab man ihm ein nationalsozialistisches Unbedenklichkeitszeugnis zwecks Verleihung einer Konzession für Realitätenvermittlung. Ob Sauter diese in Anspruch nahm, ist unbekannt. Sicher ist nur, dass er am 18. März 1943 durch die Gestapo verhaftet und am 1. April 1943 wieder entlassen wurde. Sein Schicksal bis Kriegsende ist ungeklärt.

Bibliografie

Copyright © 2013 Reinhard Müller, Graz
Stand: August 2012