Soziologie in Österreich

 

 

 

 

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Hermann Roeder

d. i. Hermann Karl Roeder

geb. Wien, Kronland Österreich unter der Enns, Österreich-Ungarn (heute Bundesland Wien, Österreich), am 1. Juni 1898

gest. Graz, Bundesland Steiermark, Österreich, am 4. Januar 1978

Universitätsprofessor, Rechtswissenschaftler, Rechtsphilosoph und Soziologe

Angehöriger des engeren sogenannten Spannkreises, Mitglied der »Gesellschaft für Ganzheitsforschung«

Vater: Georg Jakob Roeder, Ingenieur, aus Deutschland nach Österreich eingewanderter Industrieller (Papier)

Mutter: Rosa Roeder, geborene Kaan

Geschwister:

Ehe: 1933 mit Hermine Rupp (1899–1883)

Kinder: 1) Sohn

Religion: evangelisch (Augsburger Bekenntnis)

Hermann Roeder besuchte das Humanistische Staatsgymnasium in Wien 17., wo er 1917 die Reifeprüfung mit Auszeichnung ablegte. Vom Mai 1917 bis November 1918 leistete er Kriegsdienst in der österreichisch-ungarischen Armee beim k. u. k. Infanterie-Regiment Nr. 76, zuletzt im Rang eines Leutnants der Reserve; er nahm unter anderem an der 10. bis 13. Offensive in Italien teil. Von 1919 bis 1920 studierte er Rechtswissenschaften an der Universität Wien, wo er am 3. Februar 1922 zum Dr. jur. promoviert wurde. Daneben absolvierte er 1919 bis 1920 den Abiturientenkurs an der Hochschule für Welthandel (heute Wirtschaftsuniversität) Wien. Vom Januar 1922 bis Februar 1923 machte Roeder seine Gerichtspraxis bei verschiedenen Gerichten in Wien. 1922 bis 1923 studierte er Staatswissenschaften an der Universität Wien, wo er am 19. Dezember 1923 zum Dr. rer. pol. promoviert wurde.

Seit Februar 1923 arbeitete Hermann Roeder bis zu seiner Entlassung 1945 bei der Bundespolizeidirektion Wien: zunächst als Konzeptsbeamter, dann als Polizei-Oberkommissar, zuletzt als Oberpolizeirat und Regierungsrat.

Am 5. Januar 1933 wurde Hermann Roeder aufgrund der Arbeit »Willensfreiheit und Strafrecht. Versuch einer gesellschaftsphilosophischen Grundlegung« an der Universität Wien bei Othmar Spann (1878–1950) für Gesellschaftslehre und Rechtsphilosophie habilitiert. Seither war er hier bis 1940 als Privatdozent (Priv.-Doz.) tätig. Roeder gehörte damals zum engeren sogenannten Spannkreis, an dessen Zeitschrift »Ständisches Leben« (Berlin–Wien) er 1933 bis 1935 und an dessen Schriftenreihe »Gesellschaftswissenschaftliche Abhandlungen« (Leipzig) er 1932 mitarbeitete. Seit 1. August 1933 war er Mitglied der »Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei« (NSDAP; Mitgliedsnummer 6,331.246), außerdem Mitglied der »Schutzstaffel« (SS).

Am 29. Februar 1940 wurde Hermann Roeder Dozent neuer Ordnung an der Universität Wien mit der nunmehr erweiterten Venia Legendi für Strafrecht, Strafprozessrecht, Rechtsphilosophie und Gesellschaftslehre. Seine 1942 diskutierte Ernennung zum außerplanmäßigen Professor scheiterte 1943 wegen seiner Nähe zu Othmar Spann. Er selbst wiederum lehnte 1943 die Berufung an die Deutsche Universität Prag ‹Praha› ab.

1945 wurde Hermann Roeder als nationalsozialistisch Belasteter bei der Bundespolizeidirektion Wien entlassen, und an der Universität Wien wurde ihm die Venia Legendi entzogen. Nach der Amnestie für Nationalsozialisten arbeitete er 1947 bis 1960 als Rechtsanwalt in der Anwaltskanzlei Dr. Gürtler in Wien, wofür er 1950 die Rechtsanwaltprüfung ablegen musste.

Hermann Roeder erlangte auf dem Rechtswege, zuletzt beim Verfassungsgerichtshof, 1953 seine Venia Legendi wieder und war seither neuerlich Privatdozent an der Universität Wien, seit 1956 als titular außerordentlicher Universitätsprofessor (tit. a.o. Univ.-Prof.) des Strafrechts, Strafprozessrechts, der Rechtsphilosophie und Gesellschaftslehre.

1960 wurde Hermann Roeder ordentlicher Universitätsprofessor (o. Univ.-Prof.) des Strafrechts und Strafprozessrechts an der Universität Graz (Steiermark) sowie Vorstand des Instituts für Strafrecht und Strafprozessrecht. Er emeritierte 1969, war aber noch 1969/70 Supplent seines ehemaligen Lehrstuhls an der Universität Graz.

Bibliografie

Copyright © 2013 Reinhard Müller, Graz
Stand: August 2012