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Pressetext von
3sat.online anlässlich der Ausstrahlung des Films
»Einstweilen wird es Mittag…« in 3sat am 11. Juli 2001
Wie
»Teilnehmer
an einer Expedition ins Unbekannte« fühlen sich 1932 die jungen Wissenschaftler beim Verlassen des
Psychologischen Instituts der Wiener Universität, als sie nach
Weissenberg, einem Industriedorf, aufbrechen. Sie sind voller
Begeisterung für die Wissenschaft. Sie vertrauen auf ihre Objektivität.
Sie glauben an ihre Funktion bei der Verbesserung der Welt. In
Weissenberg ist die Textilfabrik in Konkurs gegangen. Sie war der
wichtigste Arbeitgeber. Die Lebenssituation der arbeitslos Gewordenen
verändert sich. Gewissenhaft notieren die Sozialforscher das Verhalten
der Menschen.
»Genauigkeit ist Wahrheit!« lautet ihr Ausgangsbekenntnis. Doch vor Ort sehen sie sich
weniger erkenntnistheoretischen Deduktionen als sozialen Problemen
gegenüber. Die Solidarität unter den Arbeitslosen zerbricht, als
Arbeitskräfte zum Abbruch der Fabrik gesucht werden; die Wissenschaftler
verlassen ihre Objektivität. Es ist der Versuch, gleichzeitig zu
beobachten und zu helfen, doch das Ergebnis ist fraglich. Immer mehr
greift völkischer Geist auf das kleine Dorf über.
Karin Brandauers Film über den Niedergang eines Dorfes fußt auf der
berühmten sozialpsychologischen Studie
»Die
Arbeitslosen von Marienthal« von
Marie Jahoda,
Paul Lazarsfeld und
Hans Zeisel aus dem Jahre 1933.
Die jungen Wissenschaftler wollten die Verwendung von exaktem
Zahlenmaterial mit dem
»Sicheinleben«
in die Situation verbinden und damit einen neuen Weg in der empirischen
Sozialwissenschaft beschreiten. Die Wissenschaftler wurden jedoch durch
die nationalsozialistischen Machthaber ins Exil gezwungen, die weitere
Veröffentlichung der Studie wurde unterbunden.

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